Das empirische Gutachten zum Heilpraktikerberuf

Eine Einordnung der zentralen Ergebnisse

Im November 2024 wurde dem Bundesgesundheitsministerium ein 334 Seiten umfassendes empirisches Gutachten zum Heilpraktikerberuf übergeben. Veröffentlicht wurde es im Dezember 2025.

Es handelt sich um ein Datensammelgutachten. Es ergänzt das bereits vorliegende Rechtsgutachten des Ministeriums sowie die Rechtsgutachten der Berufsverbände FH e. V. und BDH e. V.

Die entscheidende Frage im Vorfeld lautete:
Ergibt sich aus den erhobenen Daten ein politischer Handlungsdruck?

Auf Grundlage der nun vorliegenden empirischen Daten zeigt sich: Weder im Hinblick auf die Patientensicherheit noch aus anderen strukturellen Gründen lässt sich ein akuter Handlungsbedarf ableiten.

Im Folgenden fassen wir die aus unserer Sicht zentralen Ergebnisse zusammen.

Demografie und Ausbildung

Ein Blick auf die Zahlen zeigt ein klares Bild der Berufsgruppe:

  • 75 % der Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker sind weiblich, 24 % männlich, weniger als 1 % divers

  • 51 % verfügen über Abitur, 27 % über mittlere Reife, 16 % über Fachhochschulreife

  • Das Durchschnittsalter bei der Überprüfung liegt bei etwa 39 Jahren

  • 70 % haben eine abgeschlossene Berufsausbildung, rund die Hälfte davon im Gesundheitsbereich

Viele bringen somit bereits berufliche Erfahrung mit, häufig aus medizinischen oder therapeutischen Kontexten.

Ausbildung und Schulen

Die überwiegende Mehrheit – 82 % – besucht im Vorfeld eine Heilpraktikerschule.

  • Durchschnittliche Ausbildungskosten: 6.531 €, in Einzelfällen über 10.000 €

  • 70 % der Lehrkräfte verfügen über eine Berufsausbildung

  • 30 % haben einen Hochschulabschluss

  • Nach Erteilung der Heilerlaubnis werden durchschnittlich fünf Fortbildungen pro Jahr besucht

Fortbildung ist damit kein Randthema, sondern fester Bestandteil der beruflichen Praxis – auch wenn 11 % keine Fortbildungen angeben.

Berufsausübung

Der Heilpraktikerberuf ist deutlich von Selbstständigkeit geprägt:

  • 97 % arbeiten selbstständig

  • 72 % üben den Beruf hauptberuflich aus

  • 60 % in Vollzeit, 40 % in Teilzeit (durchschnittlich etwa 21 Stunden pro Woche)

  • Rund 63.000 Erlaubnisinhaber stehen etwa 46.000 Praxen gegenüber

  • Durchschnittlich werden 619 Patientinnen und Patienten pro Jahr behandelt

  • Der durchschnittliche Jahresumsatz liegt bei rund 59.500 €

Diese Zahlen zeigen eine bundesweit etablierte, eigenständig organisierte Versorgungsstruktur.

Kooperation und Organisation

  • 31 % kooperieren mit Ärztinnen und Ärzten

  • Rund 81 % sind Mitglied in einem Berufsverband

  • Durchschnittlich werden fünf Fortbildungen pro Jahr besucht

Die hohe Verbandsquote spricht für eine starke berufliche Organisation und für ein hohes Maß an Selbstverantwortung innerhalb des Berufsstandes.

Rechtliche Verfahren und Sicherheit

Ein besonders zentraler Punkt des Gutachtens betrifft die Frage nach Patientensicherheit und möglichen Verstößen.

Für den Zeitraum von 1949 bis 2023 wurden erfasst:

  • 6 strafrechtliche Verfahren

  • 9 zivilrechtliche Verfahren

  • Widerruf der Erlaubnis: durchschnittlich etwa 0,3 Fälle pro Jahr

  • Kaum Verstöße gegen das Heilmittelwerbegesetz

Aus diesen Daten ergibt sich kein Hinweis auf ein strukturelles Sicherheitsproblem.

Behandlung und Methoden

Die häufigsten Tätigkeitsfelder sind:

  • Beratung und Prävention

  • Massage- und Wirbelsäulenbehandlung

  • Schmerztherapie

  • Homöopathie

  • Ernährungsberatung

  • Entspannungsverfahren

Weitere genannte Methoden sind unter anderem Phytotherapie, Allergiebehandlung und Akupunktur.

Charakteristisch ist die Kombination mehrerer Verfahren. Die angewandten Methoden sind überwiegend nicht-invasiv.

Zur Selbstverortung geben an:

  • 37 % ordnen sich der wissenschaftlichen Medizin zu

  • 42 % der Komplementärmedizin

Abrechnung und Kostenstruktur

  • 48 % der Leistungen werden über private Krankenversicherungen erstattet

  • 15 % über Satzungsleistungen gesetzlicher Krankenkassen

  • 64 % rechnen auf Stundensatzbasis ab

  • 26 % nach GebüH

  • 10 % nach GOÄ

Mit der Veröffentlichung des Gutachtens liegt nun eine umfassende empirische Datengrundlage vor. Sie ermöglicht eine sachliche, datenbasierte Diskussion über Struktur, Ausbildung und Praxis des Heilpraktikerberufs. Welche politischen Konsequenzen daraus entstehen, bleibt eine politische Entscheidung.

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